Karate für Menschen mit Behinderungen

Bericht vom Integrativen Karate-Lehrgang für und mit Menschen mit Behinderung
vom 31. März bis 02. April 2006 in Inzell

Im Deutschen Karateverband e.V. (DKV) tut sich in der letzten Zeit einiges, was die Integration von Sportlern mit Behinderungen angeht. Obwohl in den DKV-Vereinen schon seit langer Zeit Karateka mit den verschiedensten Behinderungen aktiv waren, hat sich der DKV unter der Leitung des Schulsportreferenten Ralf Brünig seit ca. 2 Jahren dieses Themas offiziell angenommen. Derzeit sind Beratungen im Gange, ob und wie Karateka mit Behinderungen am Trainings- und Wettkampfbetrieb teilnehmen können. Auch eine spezielle Prüfungsordnung ist in der Diskussion.

Im Karatedojo Fautenbach trainiert mit Jan Gollon ebenfalls ein Sportler mit Behinderungen. Der 37jährige leidet am Downsyndrom und betreibt Karate schon seit ca. 5 Jahren.

Ende März fand im bayerischen Inzell ein integrativer Karatelehrgang für und mit Menschen mit Behinderungen statt, an dem Jan mit seinem Vater Jochen Gollon teilnahm. Hier sein Tagebuch als Bericht zu diesem Lehrgangsbesuch:

Freitag, 31. März
ca. 17.00 h - BLSV - Sport und Jugenddorf Inzell
"Guten Tag, ich heiße Jan und das ist mein Vater wir kommen vom Dojo Fautenbach"
" Grüß Gott ich bin Uli, herzlich willkommen. "
So oder so ähnlich freundlich wurden die Karatekas und ihre Betreuer, die nach und nach eintreffen, begrüßt. Die Quartiere ( meistens 12-Bett-Blockhütten ) wurden zugewiesen und
bezogen.

18.00 h gemeinsames Abendessen in der Kantine; die Tische mussten wir selbst decken, abräumen und säubern. Die ersten Kontakte wurden geknüpft. Charlotte und Thorsten sind mit 10 Kindern der Körperbehinderten Schule aus Weingarten angereist.

19.00 h - erste Trainingseinheit.
Ilse gibt die ersten An- und Einweisungen:
"Die Kinder machen um 22.00 h die Lichter aus, sind ruhig und versuchen
einzuschlafen . .... /....... Schneeball werfen verboten .... die Erwachsenen treffen
sich um ........ "

Samstag, 1. April
8.00 h - gemeinsames Frühstück -

Wir kommen ins Gespräch mit Christine und Stefan, die in Eggmühl eine Trainingsgruppe für Menschen mit Behinderung gründen wollen und sich hier in Inzell Anregungen für die Trainigsarbeit holen wollen. Übrigens sind einige Dojo-Leiter und Trainer hier, um sich zu informieren. Wir treffen ( hier wieder ) Erika vom Karate-Team-Reutlingen.

9.30 h - das Training beginnt - es wird geleitet von Konrad und Ilse, die von 3 weiteren Schwarzgurt-Karatekas unterstützt wurden. Trainingsteilnehmer:
95 Personen, davon 77 Menschen mit Behinderung, 12 Betreuer und 6 Karatekas.
Von den Menschen mit Behinderung, die hier teilnehmen sind 2 Gelbgurte ( Männer )
38 Jahre - 1 Gelbgurt-Dame 36 Jahre und ich, Jan, Blaugurt bin 37 Jahre.
Marcus ist 20 Jahre und hat den braunen Gurt. 2 Rollstuhlfahrer: 1 junges Mädchen ( Christine ) - und 1 junger Mann. Christine, 16 Jahre, die seit Geburt an den Rollstuhl gebunden ist, " macht " hier den gelben Gurt. Jüngster Teilnehmer: 6 Jahre. Sie kommen aus Traunreut, Reutlingen, Ravensburg, Gerlingen, Augsburg, Achern-Fautenbach ( zwischen Baden-Baden und Straßburg ) und.... und .....
Um 11.30 h ist diese Trainingseinheit beendet -
12.00 h - gemeinsames Mittagessen

14.00 h Beginn der nächsten Trainingeinheit -

Fritz ist eingetroffen und leitet das Training: Lockerungsübungen mit der Zeitung - erklärt wie wichtig es ist beweglich zu sein - die Weide bewegt sich im Wind - Unkraut jäten - ein Vogel fliegt übers Nest - weist auf das bewusste Ein- und Ausatmen hin

Besonders begeistert waren wir und applaudierten Fritz als er eine Einheit des
" brasilianischen Kampftanzes " vorführte.
Nun wurden die Grundtechniken geübt - Fritz erklärt warum und wozu die Bewegungen
( Arm- und Beintechniken ) notwendig sind und was sie bezwecken -
Natürlich wurden Katas " gelaufen " -
18.00 h - Abendessen -

19.00 h die nächste Trainingseinheit -

Sonntag, 2. April
ging es nach dem Frühstück wieder in die Turnhalle.
Wir ( mein Vater und ich ) konnten nicht mehr teilnehmen - wir fuhren heimwärts -
nach ca. 550 km und 6,5 Stunden Fahrt landeten wir zufrieden aber müde im Nordschwarzwald.

(diesen Bericht hat mein Vater für mich geschrieben ) Euer Jan Gollon / 03.04.06